FrauenZimmer

Tätigkeitsbericht 2004

FrauenZimmer

 

Tagestreff "FrauenZimmer" - ein Kooperationsprojekt

Die Einrichtung "FrauenZimmer" ist ein Kooperationsprojekt von dem Sozialwerk Heilsarmee und der Stadt Nürnberg, seit Januar 2003 ist der Sozialdienst katholischer Frauen beteiligt. Die Trägerschaft wurde von der Heilsarmee übernommen.

Entscheidendes Gremium ist das Kuratorium, welches sich aus je drei Personen von der Heilsarmee und der Stadt Nürnberg zusammensetzt.

Das FrauenZimmer wurde als Tagestreff speziell für Frauen und deren Kinder in Not eingerichtet und besteht seit November 1995.

 

Zielgruppe

Die Besucherinnen sind Frauen und deren Kinder

Viele Besucherinnen des Frauentagestreffs werden in anderen Freizeitorganisationen oder Interessengruppen mangels Gruppenfähigkeit oder sozialem Status kaum oder nicht akzeptiert. Das FrauenZimmer ist ein niedrigschwelliges Angebot für alle Frauen, welche aufgrund sozialer Schwierigkeiten bis hin zu ungewöhnlichen Verhaltensweisen Probleme haben, sich in die Gesellschaft zu integrieren.

Die Problemstellungen der Klientinnen sind sehr vielfältig: Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden, Wohnungslosigkeit, Trennung vom Partner, Überlastung durch Kinder, finanzielle Angelegenheiten, Gewalt im häuslichen Umfeld, Ordnungsdelikte, Stromsperre, Langzeitarbeitslosigkeit, chronische körperliche und/oder seelische Erkrankungen, Lebensmittelnotstand, geringes Einkommen, Einsamkeit u.v.m.

Der überwiegende Anteil der Besucherinnen lebt in der eigenen Wohnung, ca. 5% der Frauen ist vorübergehend in Pensionen oder in sozialtherapeutischen Wohnformen untergebracht.

 

Zielsetzung

Der Tagestreff "FrauenZimmer" ist ausschließlich für Frauen und deren Kinder. Frauen in besonderen Lebenssituationen (siehe Zielgruppe) erhalten hier durch Diplom-Sozialpädagoginnen professionelle Hilfe.

Der Tagestreff

 

Öffnungszeiten und Angebote

Unsere feststehenden Angebote:

Montags kommt von 10.00 bis 12.00 Uhr eine Friseurin.

Am Dienstag kochen wir für die Frauen ein frisches, nahrhaftes Mittagessen.

Weiterhin bieten wir am Donnerstag ein abwechslungsreiches Frühstück an, anschließend kommt von 12.00 bis 13.00 Uhr eine Beraterin von der ISKA zur Schuldnerinnenberatung.

Am Freitag besteht das Angebot einer Kochgruppe, in welcher die Frauen selbst (unter Anleitung) planen, einkaufen, kochen und backen.

Während der Öffnungszeit steht eine Dusche, Waschmaschine und Trockner sowie die Küche für die Besucherinnen zur Verfügung. Zur Erledigung von bürokratischen Angelegenheiten stellen wir einen PC, das Kopiergerät, ein Telefon sowie die Tageszeitung bereit.

Besonderen Anklang finden unsere monatlichen Ausflüge, z.B.: Tiergarten, Wandertage, Stadtbesichtigungen in den umliegenden Kleinstädten, Fahrradausflug, Christkindlesmarkt mit Cafebesuch, Eislaufen, Ausflüge in die Natur, Kinobesuch, Schwimmbad/Freibad, Erfahrungsfeld der Sinne, Stadtführung in Nürnberg, Museumsbesuche u.v.a.

 

Personalsituation

Im Jahr 2004 waren hauptamtliche sozialpädagogische Fachkräfte und eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin tätig:

1 Diplom-Sozialpädagogin in Leitungsfunktion (Stadt Nürnberg, ASD Fachstelle), Vollzeit
Frau Weißbeck

1 Diplom-Sozialpädagogin (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg), 25 Std.
Frau Scheuer

1 Diplom-Sozialpädagogin (Sozialdienst katholischer Frauen), 8 Std.
Frau Gnosa

1 hauswirtschaftliche Mitarbeiterin (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg), 25 Std.
Frau Blass-Novak

1 Praktikantin (Stadt Nürnberg, ASD Fachstelle), 30 Std.
Frau König (bis Januar 2004)
Frau Hauck (März bis August 2004)

1 ehrenamtliche Mitarbeiterin
Frau Schnell (seit Dezember 2004, voraussichtlich vier bis sechs Monate)

Erfreulicherweise konnte die Mitarbeiterin im hauswirtschaftlichen Bereich Frau Blass-Novak seit Juli 2004 in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden - jedoch mit einer Reduzierung auf 25 Wochenarbeitsstunden. Sie arbeitete von Mai 2000 bis April 2002 im Rahmen einer AB-Maßnahme in unserer Einrichtung. Von Mai 2002 bis Juni 2003 half sie uns stundenweise ehrenamtlich aus - ohne ihre Unterstützung hätten wir die Angebote im hauswirtschaftlichen Bereich nicht aufrecht erhalten können. Seit Juli 2003 arbeitet Frau Blass-Novak wieder in unserer Einrichtung.

Die Praktikantin (Studentin für Sozialwesen) ist eine unverzichtbare Unterstützung in allen anfallenden Tätigkeitsbereichen. Leider mussten wir seit September 2004 ohne Praktikantin zurechtkommen. Durch diese Personallücke und die Reduzierung der Arbeitszeit von Frau Blass-Novak waren die Sozialpädagoginnen einer sehr hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt. Bei Urlaubs- oder Krankheitszeiten der festen Mitarbeiterinnen muss die Einrichtung vorübergehend geschlossen werden.

 

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2004 wurden insgesamt 2840 Besucherinnen - Kontakte gezählt, im Vergleich zum Vorjahr (3336) hat die Anzahl abgenommen. Begründet werden kann der Rückgang der Besucherinnen - Kontakte durch zwei wesentliche Veränderungen unseres Angebotes:

Besucherinnen 2004

Das abgebildete Diagramm stellt die monatliche Anzahl der Besucherinnen des FrauenZimmers im Jahr 2004 dar. Zwischen 132 bis 289 Frauen besuchten den Tagestreff pro Monat. Die Zahlen unterliegen starken Schwankungen, weil wir an Weihnachten, Ostern und im Sommer das FrauenZimmer wegen Urlaub für insgesamt sechs Wochen geschlossen hatten.

Im statistischen Durchschnitt waren im Jahr 2004 pro Öffnungstag 16 Besucherinnen anwesend, wobei die tatsächliche Spanne bei 10 bis 40 Frauen und deren Kinder lag.

Die tägliche Aufenthaltsdauer der Besucherinnen ist sehr unterschiedlich. Das "Stammpublikum" nutzt den Tagestreff bis zu sechs Stunden pro Tag für Kontakte. Andere Frauen kommen zu bestimmten Angeboten (Essen, Ausflüge, Friseurin ...) oder nehmen gezielt bürokratische Hilfen (Telefon, PC ...) und sozialpädagogische Unterstützung wie Krisenintervention, Beratung, Information etc. in Anspruch (siehe nächste Tabelle).

 

Angebote des FrauenZimmers im Jahr 2004

Statistik 2004

Zur Erläuterung dieser Tabelle ist hinzuzufügen:

Essen: gezählt werden Mahlzeiten, welche vom Personal des FrauenZimmers für die Besucherinnen gekocht und zubereitet werden

Waschen: Benutzung der Waschmaschine und des Trockners

Dusche: Benutzung der Dusche

Beratung: gezählt werden ausschließlich Kriseninterventionen und Beratungsgespräche "unter vier Augen" im Beratungszimmer

Büro: beinhaltet Benutzung von Telefon, Computer, Fax- und Kopiergerät für bürokratische Angelegenheiten (Ämter, Arbeits- und Wohnungssuche) und für gesundheitliche Belange

Friseurin: pro Woche zwei Stunden (max. Leistung: vier Kundinnen)

Erstkontakt: jeder persönliche Erstkontakt

 

Im Jahr 2004 wurden 112 "neue" Frauen mit unterschiedlichsten Mehrfachproblematiken gezählt, - Kriseninterventionen und Unterstützung in bürokratischen Angelegenheiten waren die inhaltlichen Schwerpunkte.

Bemerkenswert ist die Entwicklung der Inanspruchnahme von Einzelberatung. Obwohl die Anzahl der Besucherinnen - Kontakte im Vergleich zum Vorjahr rückläufig war, gab es einen Anstieg der gezählten Beratungen (plus 37 Gespräche). Dies ist ein deutlicher Hinweis, dass sich die Einrichtung "FrauenZimmer" zunehmend im Krisenversorgungssystem etabliert hat und sowohl von Fachkreisen und KollegInnen - als auch von den Klientinnen angenommen und weiter empfohlen wird.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt im Berichtsjahr 2004 war die Umsetzung des Zweiten Sozialgesetzbuches, besser bekannt unter "Hartz IV". Die durch die Sozialreform ausgelösten massiven Existenzängste besonders bei den betroffenen Menschen, welche kein "Erspartes" haben waren häufig Tagesthema. Auch die Unterstützung beim Ausfüllen des Fragebogens wurde oft in Anspruch genommen.

Insgesamt ist festzustellen, dass die "menschliche Dichte", die existenziellen Nöte, die emotionalen Befindlichkeiten und die häufigen Frustrationserlebnisse der Besucherinnen den Alltag im FrauenZimmer stark prägen. Hierbei werden schnell die Grenzen erreicht, sowohl die räumliche Enge betreffend, als auch die menschliche Belastungsgrenze wegen zu wenig "festen" sozialpädagogischen Mitarbeiterinnen.

 

Danke

Ich möchte mich - auch im Namen meiner Kolleginnen und aller Besucherinnen des FrauenZimmers - ganz herzlich bedanken bei

 

Stand Februar 2005

Heidi Weißbeck
Diplom-Sozialpädagogin (FH)
Leiterin des FrauenZimmers

 

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