10 Jahre FrauenZimmer - Tagestreff für Frauen

Tätigkeitsbericht 2005

FrauenZimmer

 

Herzlichen Glückwunsch!

Im November 1995 wurde das FrauenZimmer als Gemeinschaftsprojekt der Stadt Nürnberg mit der Heilsarmee eröffnet. Der Tagestreff für Frauen "mit besonderen sozialen Schwierigkeiten" war damals und ist bis heute die erste und einzige Einrichtung dieser Art in Bayern: ein niedrigschwelliges, alltagsbezogenes Angebot für Frauen, deren Leben von Gewalterfahrung, Suchterkrankung, Wohnungsverlust, psychischen Problemen u.a.m. betroffen ist. Die Mitarbeiterinnen des FrauenZimmers konnten in den zurückliegenden zehn Jahren ihre Besucherinnen in vielfältiger Art und Weise unterstützen, begleiten und beraten - mit Rat und Tat, mit Gesprächen, mit warmen Mahlzeiten, mit Dusche, Waschmaschine und PC. Um die nächsten Jahre so erfolgreich weiterarbeiten zu können, ist jede finanzielle Unterstützung herzlich willkommen (näheres unter www.frauenzimmer-nuernberg.de).

 

Ja, verehrte Leserin, verehrter Leser,

so stand es in der Ausgabe 5/2005 im Straßenkreuzer.

Wir feierten mit über 100 Gästen den 10. Geburtstag des Bestehens der Einrichtung "FrauenZimmer - Tagestreff für Frauen in Notlagen". Über die große Resonanz haben wir uns sehr gefreut - sie ist der sichtbare Beleg für unser "vernetztes" Arbeiten in Nürnberg.

Die zahlreichen Rückmeldungen waren voll des Lobes und wir freuen uns selbst sehr über das gelungene Fest. Es war sehr gut vorbereitet, laut vielen anderen Gästen souverän und professionell gestaltet, authentisch durch die Besucherinnen, sehr informativ, auch berührend, kurzweilig - und - einfach schön!

Auf diesem Weg möchte ich mich nochmals ganz herzlich bei allen Menschen bedanken, welche zur Ausgestaltung des Festes beigetragen haben:

Ganz besonders großen Dank möchte ich Frau Scheuer, Diplom-Sozialpädagogin (FH) und Frau Kombrink, Studentin des Sozialwesens, sagen. Beide sind Mitarbeiterinnen im FrauenZimmer. Sie haben eine sehr gut vorbereitete und durchdachte PowerPoint-Präsentation über das FrauenZimmer (den Alltag, die Ziele, unsere Angebote, Zielgruppe etc.) souverän und professionell vorgestellt. Durch die umfangreiche und gründliche Vorarbeit ist es Frau Scheuer und Frau Kombrink bestens gelungen, den Gästen einen informationsreichen und realistischen Eindruck unserer Arbeit im FrauenZimmer zu vermitteln.

Auch möchte ich mich bei den FrauenZimmer-Besucherinnen bedanken, welche mutig und beherzt den Gästen mitgeteilt haben, warum sie in unsere Einrichtung kommen.

Einen ganz großen Dank auch an Frau Gnosa, Diplom-Sozialpädagogin (FH) - immer montags Mitarbeiterin im FrauenZimmer - und allen Besucherinnen, welche sich für den Bazar sehr engagiert haben. Es wurde unter Anleitung von Frau Gnosa über zehn Monate kreativ gearbeitet, dabei hochwertige Geschenkartikel hergestellt und beim Geburtstagsfest zum Verkauf angeboten.

Abschließend noch ein herzliches Danke für die zahlreichen guten Wünsche für eine weiterhin erfolgreiche Arbeit, welche uns persönlich und schriftlich zugekommen sind.

 

Was gibt es Neues

Wir sind jetzt auch im Internet zu finden - DANK Frau Schnell, Diplom-Psychologin und für sechs Monate ehrenamtliche Mitarbeiterin im FrauenZimmer und Herrn Janowski, Leiter und Kapitän des Sozialwerkes Heilsarmee. Unsere Adresse lautet: www.frauenzimmer-nuernberg.de.

 

Tagestreff "FrauenZimmer" - ein Kooperationsprojekt

Die Einrichtung "FrauenZimmer - Tagestreff für Frauen in Notlagen" ist ein Kooperationsprojekt von dem Sozialwerk Heilsarmee und der Stadt Nürnberg, seit Januar 2003 ist der Sozialdienst katholischer Frauen beteiligt. Die Trägerschaft wurde von der Heilsarmee übernommen.

Entscheidendes Gremium ist das Kuratorium, welches sich aus je drei Personen von der Heilsarmee und der Stadt Nürnberg zusammensetzt.

Das FrauenZimmer wurde als Tagestreff speziell für Frauen in anhaltend schwierigen oder krisenhaften Lebenssituationen eingerichtet und besteht seit November 1995.

 

Zielgruppe

Die Besucherinnen sind Frauen (und deren Kinder)

Viele Besucherinnen des Frauentagestreffs werden in anderen Freizeitorganisationen oder Interessengruppen mangels Gruppenfähigkeit oder sozialem Status kaum oder nicht akzeptiert. Das FrauenZimmer ist ein niedrigschwelliges Angebot für alle Frauen, welche aufgrund sozialer Schwierigkeiten bis hin zu ungewöhnlichen Verhaltensweisen Probleme haben, sich in die Gesellschaft zu integrieren.

Die Problemstellungen der Klientinnen sind sehr vielfältig: Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden, Wohnungslosigkeit, Trennung vom Partner, Überlastung durch Kinder, finanzielle Angelegenheiten, Gewalt im häuslichen Umfeld, Ordnungsdelikte, Stromsperre, Langzeitarbeitslosigkeit, chronische körperliche und/oder seelische Erkrankungen, Lebensmittelnotstand, geringes Einkommen, Einsamkeit u.v.m.

Der überwiegende Anteil der Besucherinnen lebt in der eigenen Wohnung, ca. 5% der Frauen ist vorübergehend in Pensionen oder in sozialtherapeutischen Wohnformen untergebracht.

 

Zielsetzung

Der Tagestreff "FrauenZimmer" ist ausschließlich für Frauen (und deren Kinder) in besonderen Lebenslagen. Sie erhalten in unserer Einrichtung durch Diplom-Sozialpädagoginnen professionelle Hilfe.

Der Tagestreff

 

Öffnungszeiten und Angebote

Unsere feststehenden Angebote:

Montags kommt von 10.00 bis 12.00 Uhr eine Friseurin. Am Dienstag kochen wir für die Frauen ein frisches, nahrhaftes Mittagessen. Weiterhin bieten wir am Donnerstag ein abwechslungsreiches Frühstück an, anschließend kommt von 12.00 bis 13.00 Uhr eine Beraterin von der ISKA zur Schuldnerinnenberatung.

Während der Öffnungszeit steht eine Dusche, Waschmaschine und Trockner sowie die Küche für die Besucherinnen zur Verfügung. Zur Erledigung von bürokratischen Angelegenheiten stellen wir einen PC, das Kopiergerät, ein Telefon sowie die Tageszeitung bereit.

Besonderen Anklang finden unsere monatlichen Ausflüge, z.B.: Tiergarten, Wandertage, Stadtbesichtigungen in den umliegenden Kleinstädten, Fahrradausflug, Christkindlesmarkt mit Cafebesuch, Eislaufen, Ausflüge in die Natur, Kinobesuch, Schwimmbad/Freibad, Erfahrungsfeld der Sinne, Stadtführungen in Nürnberg, Museumsbesuche u.v.a. mehr.

 

Personalsituation

Im Jahr 2005 sind hauptamtliche sozialpädagogische Fachkräfte und eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin tätig:

1 Diplom-Sozialpädagogin in Leitungsfunktion (Stadt Nürnberg, ASD Fachstelle), Vollzeit
Frau Weißbeck / Frau Schadt (Erläuterung siehe unteren Text)

1 Diplom-Sozialpädagogin (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg), 26 Std.
Frau Scheuer

1 Diplom-Sozialpädagogin (Sozialdienst katholischer Frauen), 8 Std.
Frau Gnosa

1 hauswirtschaftliche Mitarbeiterin (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg), 26 Std.
Frau Blass-Novak

1 Praktikantin (Stadt Nürnberg, ASD Fachstelle), 30 Std.
Frau Kombrink (März bis Dezember 2005)

1 ehrenamtliche Mitarbeiterin
Frau Schnell (Dezember 2004 bis Mai 2005)

Im Berichtszeitraum nahm ich - Frau Weißbeck - das Angebot des "Sabbatjahres" in Anspruch. Die Freistellung der angesparten Arbeitszeit war vom 1. April bis 30. September 2005.

Während dieser Zeit war Frau Scheuer in stellvertretender Leitungsfunktion tätig. Für die Bereitschaft während dieser Zeit die Verantwortung zu übernehmen und das Engagement für die anfallende Mehrbelastung danke ich ihr herzlich.

Frau Schadt (Haus für Frauen, Großweidenmühle, Sozialer Betreuungsdienst) hat sich für die Vertretung der Vollzeitstelle bereit erklärt. Auch an sie meinen herzlichen Dank, dass sie sich für sechs Monate auf eine vollkommen andere Tätigkeit eingelassen hat.

Ebenso danke ich allen Entscheidungsträgern an dieser Stelle für die Unterstützung, Genehmigung und möglichen Realisierung meiner Freistellung.

 

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2005 wurden insgesamt 2.893 Besucherinnen - Kontakte gezählt, im Vergleich zum Vorjahr (2.840) hat die Anzahl leicht zugenommen. Über die vergangenen Jahre gesehen ist die Anzahl der Besucherinnen-Kontakte konstant und stabil.

Besucherinnen 2005

Das abgebildete Diagramm stellt die monatliche Anzahl der Besucherinnen des FrauenZimmers im Jahr 2005 dar. Zwischen 151 bis 304 Frauen besuchten den Tagestreff pro Monat. Die Zahlen unterliegen starken Schwankungen, weil wir an Weihnachten, Ostern und im Sommer das FrauenZimmer wegen Urlaub für insgesamt sechs Wochen geschlossen hatten.

Im statistischen Durchschnitt waren im Jahr 2005 pro Öffnungstag 16 Besucherinnen anwesend, wobei die tatsächliche Spanne bei 10 bis 30 Frauen und deren Kinder lag.

Die tägliche Aufenthaltsdauer der Besucherinnen ist sehr unterschiedlich. Das kleine "Stammpublikum" nutzt den Tagestreff mehrere Stunden pro Tag für Kontakte. Andere Frauen kommen zu bestimmten Angeboten (Essen, Ausflüge, Friseurin ...) oder nehmen gezielt bürokratische Hilfen (Telefon, PC ...) und sozialpädagogische Unterstützung wie Beratung, Information etc. in Anspruch. Weiterhin gibt es Besucherinnen, welche ausschließlich in akuten Krisen für ein- bis mehrmalige Kriseninterventionsgespräche in unserer Einrichtung kommen.

 

Angebote des FrauenZimmers im Jahr 2005

Statistik 2005

Zur Erläuterung dieser Tabelle ist hinzuzufügen:

Essen: gezählt werden Mahlzeiten, welche vom Personal des FrauenZimmers für die Besucherinnen gekocht und zubereitet werden

Waschen: Benutzung der Waschmaschine und des Trockners

Dusche: Benutzung der Dusche

Beratung: gezählt werden ausschließlich Kriseninterventionen und Beratungsgespräche "unter vier Augen" im Beratungszimmer

Büro: beinhaltet Benutzung von Telefon, Computer, Fax- und Kopiergerät für bürokratische Angelegenheiten (Ämter, Arbeits- und Wohnungssuche) und für gesundheitliche Belange

Friseurin: pro Woche zwei Stunden (max. Leistung: vier Kundinnen)

Erstkontakt: jeder persönliche Erstkontakt

 

Im Jahr 2005 wurden 118 "neue" Frauen mit unterschiedlichsten Mehrfachproblematiken gezählt, - Kriseninterventionen und Unterstützung in bürokratischen Angelegenheiten waren die inhaltlichen Schwerpunkte.

Die Entwicklung der Inanspruchnahme von Einzelberatung (sowohl in akuten Krisen als auch in anhaltenden, schwierigen oder krisenhaften Lebenssituationen von Frauen) ist ein deutlicher Hinweis, dass sich die Einrichtung "FrauenZimmer" im Krisenversorgungssystem etabliert hat und sowohl von Fachkreisen und KollegInnen - als auch von den Klientinnen angenommen und weiter empfohlen wird.

"Dauerbrenner" war im Berichtsjahr 2005 die Umsetzung des Zweiten Sozialgesetzbuches, besser bekannt unter "Hartz IV". Die durch die Sozialreform ausgelösten massiven Existenzängste besonders bei den betroffenen Frauen, welche kein "Erspartes" haben, waren häufig Tagesthema. Jetzt sind die Befürchtungen zur Realität geworden. Es genügt eine kleine nicht vorhergesehene Rechnung, die Ersatzbeschaffung von kaputten Haushaltsgeräten, eine Erhöhung der VGN-Fahrkarte, die Stromnachzahlung, eine Heizkostenabrechnung über der Pauschale (wegen schlecht isolierten Wohnungen oder alten Heizgeräten), die Tierarztrechnung oder auch nur die Erhöhungen von Gebühren oder Tarifen...!

Der Schritt in die absolute Armut ist vorprogrammiert - gespart wird dann bei den dringend notwendigen Krankheitsbehandlungen, Zahnsanierungen, Sichthilfen etc. sowie bei der Ernährung, für welche vom Gesetzgeber monatliche Ausgaben in Höhe von 131,10 EUR als Empfehlung vorliegt.

Erfreulicherweise konnten durch die Einführung der Mehraufwandsbeschäftigung (Ein-Euro-Job) einige Frauen für sechs Monate in Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden. Die Einsatzorte waren Kindertagesstätten, Altenheime, die Wärmestube, Gaststätten und Hotelbetriebe, das Tierheim und in verwaltungstechnischen Tätigkeitsfeldern. In Einzelfällen bekamen die Frauen im Anschluss befristete Arbeitsverträge im Niedriglohnbereich.

Ein neues Problemfeld ergibt sich bei Umzügen aus unterschiedlichsten Gründen, z.B. weil die Kinder ausziehen und der Wohnraum zu groß geworden ist, oder weil die Miete weit teurer ist als die festgesetzte Obergrenze. Die finanzielle Unterstützung seitens der ARGE bewegt sich in einem sehr engen Rahmen, ebenso die Hilfen für Renovierungen, Umzugsauto, Helferentschädigungen etc.

Nicht zuletzt sind noch die Zahlungsprobleme für Stromkosten zu nennen - besonders wenn die Jahresabrechnung ins Haus kommt. In fast allen Fällen gelingt es, die Stromsperre mittels Ratenvereinbarungen zu verhindern - ein sehr "energieaufwändiges" und zeitintensives Arbeitsfeld.

Insgesamt ist festzustellen, dass die "menschliche Dichte", die existenziellen Nöte, die emotionalen Befindlichkeiten und die häufigen Frustrationserlebnisse der Besucherinnen den Alltag im FrauenZimmer stark prägen. Hierbei werden schnell die Grenzen erreicht, sowohl die räumlichen Enge betreffend, als auch die menschliche Belastungsgrenze wegen zu wenig "festen" sozialpädagogischen Mitarbeiterinnen.

 

Danke

Ich möchte mich - auch im Namen meiner Kolleginnen und aller Besucherinnen des FrauenZimmers - ganz herzlich bedanken bei

 

Heidi Weißbeck
Diplom-Sozialpädagogin (FH)
Leiterin des FrauenZimmers

 

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