FrauenZimmer

Tätigkeitsbericht 2006

FrauenZimmer

 

Tagestreff "FrauenZimmer" - ein Kooperationsprojekt

Die Einrichtung "FrauenZimmer - Tagestreff für Frauen in Notlagen" ist ein Kooperationsprojekt von dem Sozialwerk Heilsarmee und der Stadt Nürnberg, seit Januar 2003 ist der Sozialdienst katholischer Frauen beteiligt. Die Trägerschaft wurde von der Heilsarmee übernommen.

Entscheidendes Gremium ist das Kuratorium, welches sich aus je drei Personen von der Heilsarmee und der Stadt Nürnberg zusammensetzt.

Das FrauenZimmer wurde als Tagestreff speziell für Frauen in anhaltend schwierigen oder krisenhaften Lebenssituationen eingerichtet und besteht seit November 1995.

 

Zielgruppe

Die Besucherinnen sind Frauen (und deren Kinder)

Viele Besucherinnen des Frauentagestreffs werden in anderen Freizeitorganisationen oder Interessengruppen mangels Gruppenfähigkeit oder sozialem Status kaum oder nicht akzeptiert. Das FrauenZimmer ist ein niedrigschwelliges Angebot für alle Frauen, welche aufgrund sozialer Schwierigkeiten bis hin zu ungewöhnlichen Verhaltensweisen Probleme haben, sich in die Gesellschaft zu integrieren.

Die Problemstellungen der Klientinnen sind sehr vielfältig: Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden, Wohnungslosigkeit, Trennung vom Partner, Überlastung durch Kinder, finanzielle Angelegenheiten, Gewalt im häuslichen Umfeld, Ordnungsdelikte, Stromsperre, Langzeitarbeitslosigkeit, chronische körperliche und/oder seelische Erkrankungen, Lebensmittelnotstand, geringes Einkommen, Einsamkeit u.v.m.

Der überwiegende Anteil der Besucherinnen lebt in der eigenen Wohnung, ca. 5% der Frauen ist vorübergehend in Pensionen oder in sozialtherapeutischen Wohnformen untergebracht.

 

Zielsetzung

Der Tagestreff "FrauenZimmer" ist ausschließlich für Frauen (und deren Kinder) in besonderen Lebenslagen. Sie erhalten in unserer Einrichtung durch Diplom-Sozialpädagoginnen professionelle Hilfe.

Der Tagestreff

 

Öffnungszeiten und Angebote

Unsere feststehenden Angebote:

Montags kommt von 10.00 bis 12.00 Uhr eine Friseurin. Am Dienstag kochen wir für die Frauen ein frisches, nahrhaftes Mittagessen. Weiterhin bieten wir am Donnerstag ein abwechslungsreiches Frühstück an, anschließend kommt von 12.00 bis 13.00 Uhr eine Beraterin von der ISKA zur Schuldnerinnenberatung.

Während der Öffnungszeit steht eine Dusche, Waschmaschine und Trockner sowie die Küche für die Besucherinnen zur Verfügung. Zur Erledigung von bürokratischen Angelegenheiten stellen wir einen PC, das Kopiergerät, ein Telefon sowie die Tageszeitung bereit.

Besonderen Anklang finden unsere monatlichen Ausflüge, z.B.: Tiergarten, Wandertage, Stadtbesichtigungen in den umliegenden Kleinstädten, Fahrradausflug, Christkindlesmarkt mit Cafebesuch, Eislaufen, Ausflüge in die Natur, Kinobesuch, Schwimmbad/Freibad, Erfahrungsfeld der Sinne, Stadtführungen in Nürnberg, Museumsbesuche u.v.a. mehr.

 

Personalsituation

Im Jahr 2006 sind hauptamtliche sozialpädagogische Fachkräfte und eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin tätig:

1 Diplom-Sozialpädagogin in Leitungsfunktion (Stadt Nürnberg, ASD Fachstelle), Vollzeit - von Februar 2006 bis Januar 2007
Frau Weißbeck (33 Std.)
Frau Glaubauf (5,5 Std.)

1 Diplom-Sozialpädagogin (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg), 26 Std.
Frau Scheuer (bis November 2006)

1 Diplom-Sozialpädagogin (Sozialdienst katholischer Frauen), 8 Std.
Frau Gnosa

1 hauswirtschaftliche Mitarbeiterin (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg), 26 Std.
Frau Blass-Novak

1 Praktikantin (Stadt Nürnberg, ASD Fachstelle), 30 Std.
Frau Theisen (März bis August 2006)

1 Praktikantin (3 Wochen studienbegleitendes Praktikum)
Frau Körner (August 2006)

Frau Scheuer ist nach langjähriger Mitarbeit ausgeschieden. Wir danken ihr für ihr Engagement und für die gute Zusammenarbeit.

Frau Weißbeck war für ein Jahr in Teilzeit beschäftigt, die freien 5,5 Std. wurden von Frau Glaubauf (ASD/Südwest) übernommen. Auch an Frau Glaubauf unseren Dank für die Bereitschaft, sich auf ein neues Arbeitsfeld einzulassen und Dank für die Mitarbeit im FrauenZimmer.

 

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2006 wurden insgesamt 2472 Besucherinnen - Kontakte gezählt, im Vergleich zum Vorjahr hat die Anzahl leicht abgenommen. Über die vergangenen Jahre gesehen ist die Anzahl der Besucherinnen - Kontakte konstant und stabil.

Besucherinnen 2006

Das abgebildete Diagramm stellt die monatliche Anzahl der Besucherinnen des FrauenZimmers im Jahr 2006 dar. Zwischen 150 bis 258 Frauen besuchten den Tagestreff pro Monat. Die Zahlen unterliegen starken Schwankungen, weil wir an Weihnachten, Ostern und im Sommer das FrauenZimmer wegen Urlaub für insgesamt sechs Wochen geschlossen hatten.

Im statistischen Durchschnitt waren im Jahr 2006 pro Öffnungstag 15 Besucherinnen anwesend, wobei die tatsächliche Spanne bei 10 bis 30 Frauen und deren Kinder lag.

Die tägliche Aufenthaltsdauer der Besucherinnen ist sehr unterschiedlich.

Das kleine "Stammpublikum" nutzt den Tagestreff mehrere Stunden pro Tag für Kontakte.

Andere Frauen kommen zu bestimmten Angeboten (Essen, Ausflüge, Friseurin ...) oder nehmen gezielt bürokratische Hilfen (Telefon, PC ...) und sozialpädagogische Unterstützung wie Beratung, Information etc. in Anspruch.

Weiterhin gibt es Besucherinnen, welche ausschließlich in akuten Krisen für ein- bis mehrmalige Kriseninterventionsgespräche in unserer Einrichtung kommen.

 

Angebote des FrauenZimmers im Jahr 2006

Statistik 2006

Zur Erläuterung dieser Tabelle ist hinzuzufügen:

Essen: gezählt werden Mahlzeiten, welche vom Personal des FrauenZimmers für die Besucherinnen gekocht und zubereitet werden

Waschen: Benutzung der Waschmaschine und des Trockners

Dusche: Benutzung der Dusche

Beratung: gezählt werden ausschließlich Kriseninterventionen und Beratungsgespräche "unter vier Augen" im Beratungszimmer

Büro: beinhaltet Benutzung von Telefon, Computer, Fax- und Kopiergerät für bürokratische Angelegenheiten (Ämter, Arbeits- und Wohnungssuche) und für gesundheitliche Belange

Friseurin: pro Woche zwei Stunden (max. Leistung: vier Kundinnen)

Erstkontakt: jeder persönliche Erstkontakt

 

Rückschau

Im Jahr 2006 wurden 107 "neue" Frauen mit unterschiedlichsten Mehrfachproblematiken gezählt. Kriseninterventionen, Unterstützung in bürokratischen Angelegenheiten und materielle Notfallversorgung waren die inhaltlichen Themen, wobei die "finanziellen Engpässe" bei allen neuen Frauen die Hauptmotivation waren, unsere Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Die spürbare Armut ist bei allen Besucherinnen des FrauenZimmers - insbesondere bei alleinerziehenden Müttern, kranken und älteren Frauen - gelebte Realität. Der zu geringe Mindestsatz reicht nach den üblichen Abzügen kaum noch für die Lebensmittelversorgung bis Ende eines Monates aus. So ist auch in unserer Einrichtung der Bedarf an "Notessen" deutlich gestiegen.

Gespart wird dann bei den dringend notwendigen Krankheitsbehandlungen, Zahnsanierungen, Sichthilfen etc. sowie bei der Ernährung. Auch Telefon und Fernseher stehen auf der Streichliste ganz oben, kaputter Hausrat kann nicht mehr ersetzt werden.

Die Armut löst massive Existenzängste aus, welche eine hohe psychische Belastung für die Frauen darstellt. Die "Nerven liegen blank", es kommt schnell wegen Kleinigkeiten zu Eskalationen, der Umgang miteinander ist konfliktreicher geworden und der "Ton" lässt manchmal zu wünschen übrig.

Die positive Kehrseite der Armut ist die gegenseitige Hilfestellung und Unterstützung unter den Frauen, welche jetzt verstärkt zu beobachten ist, z.B. die Versorgung bei Krankheit zu Hause oder Besuche im Krankenhaus, Hilfe bei Renovierungen und Umzügen, gegenseitige Einladungen zum Essen u.v.m. - ein wahres Geschenk für einsame Menschen.

Erfreulicherweise konnten wir im Jahr 2006 in Zusammenarbeit mit der Noris-Arbeit gGmbH für fünf Monate unser Projekt "Integration durch Arbeit" umsetzen. Ziel war (und ist) es, schwer vermittelbare langzeitarbeitslose Frauen durch intensive sozialpädagogische Einzelberatung und Unterstützung wieder in den Arbeitsmarkt einzubinden. Obwohl keine tatsächliche Vermittlung eines Arbeitsplatzes gelungen ist, kann das Ergebnis trotzdem als erfolgreich gewertet werden. In dieser sehr kurzen Erprobungszeit haben sechs Vorstellungsgespräche stattgefunden, für zwei Frauen konnten Fördermaßnahmen eingeleitet werden

Der positive Trend des Ein-Euro-Jobs hat sich fortgesetzt. So erkennen einige Frauen bei der Absolvierung der befristeten Tätigkeiten, wie wertvoll es ist, eine geregelte Arbeit zu haben. Sie beginnen sehr motiviert die Suche nach einer Stelle oder/und engagieren sich als "Ehrenamtliche" in sozialen Einrichtungen. Einige Frauen wurden auch in ein festes Arbeitsverhältnis im Niedriglohnbereich übernommen.

Dank der Errichtung von Notfall-Fonds durch die kirchlichen Träger war es uns möglich, einigen Frauen in akuten Notfällen finanzielle Unterstützung zu vermitteln. Ebenso konnten wir die Teilkostenerstattung für Bildungs- und Gesundheitskurse weiterhin anbieten.

 

Danke

Ich möchte mich - auch im Namen meiner Kolleginnen und aller Besucherinnen des FrauenZimmers - ganz herzlich bedanken bei

 

Heidi Weißbeck
Diplom-Sozialpädagogin (FH)
Leiterin des FrauenZimmers

 

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