FrauenZimmer

Tätigkeitsbericht 2007

FrauenZimmer

 

Tagestreff "FrauenZimmer" - ein Kooperationsprojekt

Die Einrichtung "FrauenZimmer - Tagestreff für Frauen in Notlagen" ist ein Kooperationsprojekt von Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg gGmbH und der Stadt Nürnberg, seit Januar 2003 ist der Sozialdienst katholischer Frauen beteiligt. Die Trägerschaft wurde von der Heilsarmee übernommen.

Entscheidendes Gremium ist das Kuratorium, welches sich aus je drei Personen von der Heilsarmee und der Stadt Nürnberg zusammensetzt.

Das FrauenZimmer wurde als Tagestreff speziell für Frauen in anhaltend schwierigen oder krisenhaften Lebenssituationen eingerichtet und besteht seit November 1995.

 

Zielgruppe

Die Besucherinnen sind Frauen (und deren Kinder)

Viele Besucherinnen des Frauentagestreffs werden in anderen Freizeitorganisationen oder Interessengruppen mangels Gruppenfähigkeit oder sozialem Status kaum oder nicht akzeptiert. Das FrauenZimmer ist ein niedrigschwelliges Angebot für alle Frauen, welche aufgrund sozialer Schwierigkeiten bis hin zu ungewöhnlichen Verhaltensweisen Probleme haben, von der Gesellschaft integriert zu werden.

Die Problemstellungen der Klientinnen sind sehr vielfältig: Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden, Wohnungslosigkeit, Trennung vom Partner, Überlastung durch Kinder, finanzielle Angelegenheiten, Gewalt im häuslichen Umfeld, Ordnungsdelikte, Stromsperre, Langzeitarbeitslosigkeit, chronische körperliche und/oder seelische Erkrankungen, Lebensmittelnotstand, geringes Einkommen, Einsamkeit u.v.m.

Der überwiegende Anteil der Besucherinnen lebt in der eigenen Wohnung, ca. 5% der Frauen sind vorübergehend in Pensionen oder in sozialtherapeutischen Wohnformen untergebracht.

 

Zielsetzung

Der Tagestreff "FrauenZimmer" ist ausschließlich für Frauen (und deren Kinder) in besonderen Lebenslagen. Sie erhalten in unserer Einrichtung durch Diplom-Sozial-pädagoginnen professionelle Hilfe.

Der Tagestreff

 

Öffnungszeiten und Angebote

Unsere feststehenden Angebote:

Montags kommt von 10.00 bis 12.00 Uhr eine Friseurin. Am Dienstag kochen wir für die Frauen ein frisches, nahrhaftes Mittagessen. Weiterhin bieten wir am Donnerstag ein abwechslungsreiches Frühstück an, anschließend kommt von 11.30 bis 12.30 Uhr eine Beraterin von der ISKA zur Schuldnerinnenberatung.

Während der Öffnungszeit steht eine Dusche, Waschmaschine und Trockner sowie die Küche für die Besucherinnen zur Verfügung. Zur Erledigung von bürokratischen Angelegenheiten stellen wir einen PC, das Kopiergerät, ein Telefon sowie die Tageszeitung bereit.

Besonderen Anklang finden unsere monatlichen Ausflüge, z.B.: Tiergarten, Wandertage, Stadtbesichtigungen in den umliegenden Kleinstädten, Fahrradausflug, Christkindlesmarkt mit Cafebesuch, Ausflüge in die Natur, Kinobesuch, Schwimmbad/Freibad, Erfahrungsfeld der Sinne, Stadtführungen in Nürnberg, Museumsbesuche u.v.a. mehr.

 

Personalsituation

Im FrauenZimmer sind hauptamtliche sozialpädagogische Fachkräfte und eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin tätig:

1 Diplom-Sozialpädagogin in Leitungsfunktion (Stadt Nürnberg, SHA / Sozialpädagogischer Fachdienst), 38,5 Std.
Frau Weißbeck

1 Diplom-Sozialpädagogin (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg gGmbH), 26 Std.
Frau König (ab Februar 2007)

1 Diplom-Sozialpädagogin (Sozialdienst katholischer Frauen e.V.), 8 Std.
Frau Gnosa

1 hauswirtschaftliche Mitarbeiterin (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg gGmbH), 26 Std.
Frau Blass-Novak

1 Praktikantin Fachbereich Sozialwesen (Stadt Nürnberg, SHA/SFD), 30 Std.
Frau Zimmer (März bis Juli 2007)

1 Praktikantin studienbegleitendes Praktikum (Stadt Nürnberg, SHA/SFD), 30 Std.
Frau Rudorf (August/September 2007)

Seit Februar 2007 dürfen wir Frau König als neue feste Mitarbeiterin willkommen heißen. Frau König hat bereits ihr Jahrespraktikum in unserer Einrichtung absolviert und war deshalb ohne lange Einarbeitungszeit von Beginn an "voll einsatzfähig". Wir freuen uns sehr, dass sich Frau König zur Mitarbeit in unserer Einrichtung entschieden hat.

Weiterhin freuen wir uns sehr, dass die Mitarbeiterinnen der Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg gGmbH seit dem Jahr 2007 einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten haben. Herzlichen Dank dafür an alle EntscheidungsträgerInnen.

Weniger erfreulich ist die derzeitige Lage auf dem "Praktikantinnenmarkt": wegen Reformen im Studiengang Sozialwesen wurde das "ehemalige" Jahrespraktikum auf 20 Wochen gekürzt - ein herber Verlust - sowohl für die Praktikantinnen (und deren beruflicher und persönlicher Reifeprozesse), als auch für die Mitarbeiterinnen von Einrichtungen, welche gerne Praktikantinnen anleiten und das Berufsfeld der Sozialarbeit in der Praxis zur Verfügung stellen. Nicht zuletzt ist die verkürzte Praktikumsdauer auch für die Klientinnen von Nachteil ("kaum hat man sich an die 'Neue' gewöhnt, schon geht sie wieder"). Leider ist unsere Praktikumsstelle seit September 2007 vakant.

 

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2007 wurden insgesamt 2.378 Besucherinnen-Kontakte gezählt, im Vergleich zum Vorjahr hat die Anzahl leicht abgenommen. Über die vergangenen Jahre gesehen ist die Anzahl der Besucherinnen - Kontakte konstant und stabil.

Besucherinnen 2007

Das abgebildete Diagramm stellt die monatliche Anzahl der Besucherinnen des FrauenZimmers im Jahr 2007 dar. Zwischen 154 und 259 Frauen besuchten den Tagestreff pro Monat. Die Zahlen unterliegen starken Schwankungen, weil wir an Weihnachten, Ostern und im Sommer das FrauenZimmer wegen Urlaub für insgesamt sechs Wochen geschlossen hatten.

Im statistischen Durchschnitt waren im Jahr 2007 pro Öffnungstag 14 Besucherinnen anwesend, wobei die tatsächliche Spanne bei vier bis 28 Frauen und deren Kinder lag.

Die tägliche Aufenthaltsdauer der Besucherinnen ist sehr unterschiedlich.

Das kleine "Stammpublikum" nutzt den Tagestreff mehrere Stunden pro Tag für Kontakte und für Erledigungen der Grundversorgung (Wäsche waschen, duschen, essen kochen...).

Andere Frauen kommen zu bestimmten Angeboten (Essen, Ausflüge, Friseurin, Kreativangebote...) oder nehmen gezielt bürokratische Hilfen (Telefon, Kopierer, Computer...) und sozialpädagogische Unterstützung wie Beratung, Information etc. in Anspruch.

Weiterhin gibt es Besucherinnen, welche ausschließlich in akuten Krisen für ein- bis mehrmalige Kriseninterventionsgespräche unsere Einrichtung aufsuchen.

 

Angebote des FrauenZimmers im Jahr 2007

Statistik 2007

Zur Erläuterung dieser Tabelle ist hinzuzufügen:

Essen: gezählt werden Mahlzeiten, welche vom Personal des FrauenZimmers für die Besucherinnen gekocht und zubereitet werden

Waschen: Benutzung der Waschmaschine und des Trockners

Dusche: Benutzung der Dusche

Beratung: gezählt werden ausschließlich Kriseninterventionen und Beratungsgespräche "unter vier Augen" im Beratungszimmer

Büro: beinhaltet Benutzung von Telefon, Computer, Fax- und Kopiergerät für bürokratische Angelegenheiten (Ämter, Arbeits- und Wohnungssuche) und für gesundheitliche Belange (siehe nächstes Schaubild)

Friseurin: pro Woche zwei Stunden (max. Leistung: vier Kundinnen)

Erstkontakt: jeder persönliche Erstkontakt

 

Zum Angebot "Büro" erscheint eine detaillierte Aufschlüsselung sinnvoll:

Büro 2007

Dem Schaubild ist zu entnehmen, dass 1.800 Kopien gemacht wurden, die Besucherinnen haben 927 Telefongespräche geführt und der PC wurde 45 Mal benützt.

 

Vergleich mit den Vorjahren

Zum Vergleich mit den Vorjahren werden die signifikanten Unterschiede bei der Nutzung unserer Angebote dargestellt, die nicht aufgelisteten Angebote (Essen, Beratung, Friseurin) sind zahlenmäßig konstant.

Veränderungen 2005 - 2007

Auffallend ist die starke Zunahme bei der Anzahl der Kopien und der Gebrauch des Telefons, also die "bürokratischen" Angebote. Die meisten Kopien sind für die Ämter (ARGE, Rentenversicherung, Ausländeramt etc.) und für Bewerbungen. Beim Telefon schlägt die Wohnungssuche, Stellensuche und Anrufe für die Gesundheitsvorsorge am häufigsten zu Buche.

 

Rückschau

Die Rückschau des Jahres 2006 hat nichts an Aktualität verloren, hier nochmals in Kürze die Themen:

Im Jahr 2007 wurden 142 "neue" Frauen mit unterschiedlichsten Mehrfachproblematiken gezählt, eine deutliche Zunahme zum Vorjahr (107 Frauen). Kriseninterventionen, Unterstützung in bürokratischen Angelegenheiten und materielle Notfallversorgung waren die überwiegenden Themen.

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt - speziell Wohnungen, welche unter den festgesetzten Mietobergrenzen der ARGE liegen - hat sich im letzten Jahr drastisch verschlechtert. Grund hierfür sind die gesetzlich vorgeschriebenen Altbausanierungen. Nach den Renovierungen erhöht sich die Miete und übersteigt dadurch die Mietobergrenze. Nach sechs Monaten "Leben in und auf der Baustelle" werden ALG II-Bezieherinnen zu einem Umzug aufgefordert. Aber WOHIN sollen sie ziehen? Die privaten VermieterInnen lehnen zu 80% o.g. Personenkreis ab; bei den Wohnbaugesellschaften werden die Zugangsvoraussetzungen immer schwieriger, teilweise wird bereits eine Auskunft über Schufa-Einträge verlangt.

Ein weiteres großes Problem tritt bei Frauen auf, welche arbeiten und zusätzlich auf ARGE-Leistungen angewiesen sind. Das Einkommen im Niedriglohnbereich wird meist nach geleisteter Tätigkeit abgerechnet, sodass sich die Einnahmen monatlich ändern. Die Lohnbescheinigung wird häufig erst am Ende des Folgemonates ausgestellt, die ARGE bekommt das tatsächliche Einkommen erst zwei Monate später und verrechnet es mit dem monatlichen Pauschalabzug dann drei Monate später. Mangels monatlichen Bescheiden ist es nicht nachzuvollziehen, ob die Berechnungen stimmen. Ganz hartnäckige Frauen bekommen dann doch von der ARGE monatliche Bescheide; deren Überprüfung ist jedoch enorm zeitaufwändig und erfordert Geduld, detailliertes Wissen der Gesetze und Durchführungsbestimmungen sowie mathematischen Spürsinn.

Das gesamte Antragswesen nimmt viel Raum und Zeit ein, insbesondere sind hier die ARGE, die Rentenversicherung und Grundsicherung, das Ausländeramt, die GEZ-Zentrale und Krankenkassen zu benennen. Neben der Unterstützung beim Ausfüllen der Papiere ist manchmal persönliche Begleitung zur Behörde gewünscht und auch erforderlich. Das "Amtsdeutsch" ist für die Klientinnen kaum zu verstehen und bedarf Übersetzung. Weiterhin ist manchmal wegen zwischenmenschlichen Konflikten eine Vermittlerin zwischen SachbearbeiterIn und Klientin nötig.

Durch eine Spende von "Freude für alle" konnten wir im vergangenen Jahr 24 Frauen und (deren) acht Kinder, welche unverschuldet in eine Notlage gekommen sind, mit Lebensmittel für insgesamt 59 Tage versorgen. Weiterhin haben 18 Frauen an Bildungs- oder Gesundheitskursen durch einen finanziellen Zuschuss teilnehmen können.

Erfreulicherweise hat uns eine Mediatorin ihre ehrenamtliche Mitarbeit angeboten. So entstand ein Gruppenangebot zum Thema: "Miteinander - untereinander - gemeinsam auf dem Weg". Inhaltlich bezogen sich die sechs Sitzungen auf Lösungsstrategien, wie "frau" mit ihren Problemen, Schwierigkeiten und Ärger im Alltag etwas einfacher, leichter und freudiger umgehen kann.

Durch strukturelle Veränderungen bei der Stadt Nürnberg ist das FrauenZimmer seit April 2007 im Amt für Existenzsicherung und soziale Integration - Sozialamt, Fachbereich Armutsprävention angesiedelt. Über diese Entwicklung freuen wir uns sehr, da bereits seit mindestens zehn Jahren überwiegend Klientinnen, welche an der Armutsgrenze leben, unsere Angebote in Anspruch nehmen. Wünschenswert ist es, dass jetzt auch die Menschen, welche unsere Einrichtung immer noch ausschließlich mit Obdachlosenarbeit in Verbindung bringen, Umdenkungsprozesse zulassen. Mindestens 95% unserer Besucherinnen wohnen in der eigenen Wohnung und kommen wegen unterschiedlichsten Problembereichen (aus Armut resultierend) in das FrauenZimmer.

Herzlichen Dank an alle verantwortlichen EntscheidungsträgerInnen für diese - unsere Arbeit wertschätzende - strukturelle Zuordnung.

Nicht zuletzt nochmals das Thema Armut, sie begegnet uns hier in unserer Einrichtung alltäglich in allen nur denkbaren Facetten. Aus der Praxis ist zu sagen, dass der Regelsatz bei ARGE, Grundsicherung und anderen Sozialhilfeleistungen (schon immer) viel zu niedrig angesetzt ist. Die betroffenen Personen sind meilenweit von einem menschenwürdigen Leben entfernt. Mit 347 Euro im Monat alle Ausgaben decken zu können gleicht eher einem Überlebenskampf um die eigene Existenz. Dazu kommt noch die allgemeine Verteuerung der letzten zwei Jahre: zunächst bei Heizöl und Gas, dann die Mehrwertsteuer und zuletzt die drastischen Erhöhungen im Lebensmittelbereich, ausgerechnet bei den Grundnahrungsmitteln Getreide und Milch - und so ganz nebenbei steigen jährlich die Preise bei der VGN, der Bahn, beim Strom, der Eintritt im Schwimmbad usw.! Gerechterweise muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass sich der Regelsatz in diesem Jahr um 2 (in Worten: zwei) Euro erhöht hat.

Die zunehmende Armut bei Kindern (Einschulung, Büchergeld, fortlaufender Schulbedarf, Mittagstisch, etc.) wurde im Herbst erstmals in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen, weiterhin sorgt das "schwerkranke" Gesundheitssystem bei den ÜberlebenskämpferInnen der Armut für eine zahnlose, sehbeeinträchtigte und hörgeschädigte Zukunft.

 

Danke

Ich möchte mich - auch im Namen meiner Kolleginnen und aller Besucherinnen des FrauenZimmers - ganz herzlich bedanken bei

Meinen vorauseilenden Dank an ALLE, welche an Lösungen zur Problematik der Mietobergrenze arbeiten und/oder sich mit finanziellen Erleichterungen für in Armut lebende Menschen in Form von Sozialtarifen/Gutscheinen im Gesundheitswesen, im Energiesektor, im Bildungsbereich und bei kulturellen Veranstaltungen beschäftigen.

 

Heidi Weißbeck
Diplom-Sozialpädagogin (FH)
Leiterin des FrauenZimmers

 

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