FrauenZimmer

Tätigkeitsbericht 2008

FrauenZimmer

 

Tagestreff "FrauenZimmer" - ein Kooperationsprojekt

Die Einrichtung "FrauenZimmer - Tagestreff für Frauen in Notlagen" ist ein Kooperationsprojekt von Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg gGmbH und der Stadt Nürnberg, seit Januar 2003 ist der Sozialdienst katholischer Frauen beteiligt. Die Trägerschaft wurde von der Heilsarmee übernommen.

Entscheidendes Gremium ist das Kuratorium, welches sich aus je drei Personen von der Heilsarmee und der Stadt Nürnberg zusammensetzt.

Das FrauenZimmer wurde als Tagestreff speziell für Frauen in anhaltend schwierigen oder krisenhaften Lebenssituationen eingerichtet und besteht seit November 1995.

 

Zielgruppe

Die Besucherinnen sind Frauen (und deren Kinder)

Viele Besucherinnen des Frauentagestreffs werden in anderen Freizeitorganisationen oder Interessengruppen mangels Gruppenfähigkeit oder sozialem Status kaum oder nicht akzeptiert. Das FrauenZimmer ist ein niedrigschwelliges Angebot für alle Frauen, welche aufgrund sozialer Schwierigkeiten bis hin zu ungewöhnlichen Verhaltensweisen Probleme haben, von der Gesellschaft integriert zu werden.

Die Problemstellungen der Klientinnen sind sehr vielfältig: Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden, Wohnungslosigkeit, Trennung vom Partner, Überlastung durch Kinder, finanzielle Angelegenheiten, Gewalt im häuslichen Umfeld, Ordnungsdelikte, Stromsperre, Langzeitarbeitslosigkeit, chronische körperliche und/oder seelische Erkrankungen, Lebensmittelnotstand, geringes Einkommen, Einsamkeit u.v.m.

Der überwiegende Anteil der Besucherinnen lebt in der eigenen Wohnung, ca. 5% der Frauen sind vorübergehend in Pensionen oder in sozialtherapeutischen Wohnformen untergebracht.

 

Zielsetzung

Der Tagestreff "FrauenZimmer" ist ausschließlich für Frauen (und deren Kinder) in anhaltend schwierigen oder krisenhaften Lebenssituationen. Sie erhalten in unserer Einrichtung durch Diplom-Sozialpädagoginnen professionelle Hilfe.

Der Tagestreff

 

Öffnungszeiten und Angebote

Unsere feststehenden Angebote:

Montags kommt von 10.00 bis 12.00 Uhr eine Friseurin. Am Dienstag kochen wir für die Frauen ein frisches, nahrhaftes Mittagessen. Weiterhin bieten wir am Donnerstag ein abwechslungsreiches Frühstück an, anschließend kommt von 11.30 bis 12.30 Uhr eine Beraterin von der ISKA zur Schuldnerinnenberatung.

Während der Öffnungszeit steht eine Dusche, Waschmaschine und Trockner sowie die Küche für die Besucherinnen zur Verfügung. Zur Erledigung von bürokratischen Angelegenheiten stellen wir einen PC, das Kopiergerät, ein Telefon sowie die Tageszeitung bereit.

Besonderen Anklang finden unsere monatlichen Ausflüge, z.B.: Tiergarten, Wandertage, Stadtbesichtigungen in den umliegenden Kleinstädten, Fahrradausflug, Christkindlesmarkt mit Cafebesuch, Ausflüge in die Natur, Kinobesuch, Schwimmbad/Freibad, Erfahrungsfeld der Sinne, Stadtführungen in Nürnberg, Museumsbesuche u.v.a. mehr.

 

Personalsituation

Im FrauenZimmer sind hauptamtliche sozialpädagogische Fachkräfte und eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin tätig:

1 Diplom-Sozialpädagogin in Leitungsfunktion (Stadt Nürnberg, SHA / Sozialpädagogischer Fachdienst), 39 Std.
Frau Weißbeck

1 Diplom-Sozialpädagogin (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg gGmbH), 26 Std.
Frau König

1 Diplom-Sozialpädagogin (Sozialdienst katholischer Frauen e.V.), 8 Std.
Frau Gnosa

1 hauswirtschaftliche Fachkraft (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg gGmbH), 26 Std.
Frau Blass-Novak

1 Praktikantin Fachbereich Sozialwesen (Stadt Nürnberg, SHA/SFD), 32 Std.
Frau Wehrle (September 2008 bis Februar 2009)

Sehr unerfreulich ist und bleibt die Lage auf dem "Praktikantinnenmarkt": wegen Reformen im Studiengang Sozialwesen wurde das "ehemalige" Jahrespraktikum auf 22 Wochen gekürzt - ein herber Verlust - sowohl für die Praktikantinnen (und deren beruflicher und persönlicher Reifeprozesse), als auch für die Mitarbeiterinnen von Einrichtungen, welche gerne Praktikantinnen anleiten und das Berufsfeld der Sozialarbeit in der Praxis zur Verfügung stellen. Nicht zuletzt ist die verkürzte Praktikumsdauer auch für die Klientinnen von Nachteil ("kaum hat man sich an die 'Neue' gewöhnt, schon geht sie wieder").

 

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2008 wurden insgesamt 2.661 Besucherinnen - Kontakte gezählt, im Vergleich zum Vorjahr hat die Anzahl zugenommen. Über die vergangenen Jahre gesehen ist die Anzahl der Besucherinnen - Kontakte konstant und stabil.

Besucherinnen 2008

Das abgebildete Diagramm stellt die monatliche Anzahl der Besucherinnen des FrauenZimmers im Jahr 2008 dar. Zwischen 122 und 280 Frauen besuchten den Tagestreff pro Monat. Die Zahlen unterliegen starken Schwankungen, weil wir an Weihnachten, Ostern und im Sommer das FrauenZimmer wegen Urlaub für insgesamt sechs Wochen geschlossen hatten.

Im statistischen Durchschnitt waren im Jahr 2008 pro Öffnungstag 15 Besucherinnen anwesend, wobei die tatsächliche Spanne bei vier bis 28 Frauen und deren Kinder lag.

Die tägliche Aufenthaltsdauer der Besucherinnen ist sehr unterschiedlich.

Das kleine "Stammpublikum" nutzt den Tagestreff mehrere Stunden pro Tag für Kontakte und für Erledigungen der Grundversorgung (Wäsche waschen, duschen, essen kochen ...).

Andere Frauen kommen zu bestimmten Angeboten (Essen, Ausflüge, Friseurin, Kreativangebote ...) oder nehmen gezielt bürokratische Hilfen (Telefon, Kopierer, Computer ...) und sozialpädagogische Unterstützung wie Beratung, Information etc. in Anspruch.

Weiterhin gibt es Besucherinnen, welche ausschließlich in akuten Krisen für ein- bis mehrmalige Kriseninterventionsgespräche unserer Einrichtung aufsuchen.

 

Angebote des FrauenZimmers im Jahr 2008

Statistik 2008

Zur Erläuterung dieser Tabelle ist hinzuzufügen:

Essen: gezählt werden Mahlzeiten, welche vom Personal des FrauenZimmers für die Besucherinnen gekocht und zubereitet werden

Waschen: Benutzung der Waschmaschine und des Trockners

Dusche: Benutzung der Dusche

Beratung: gezählt werden ausschließlich Kriseninterventionen und Beratungsgespräche "unter vier Augen" im Beratungszimmer

Büro: beinhaltet Benutzung von Telefon, Computer und Kopiergerät für bürokratische Angelegenheiten (Ämter, Arbeits- und Wohnungssuche) und für gesundheitliche Belange (siehe nächstes Schaubild)

Friseurin: pro Woche zwei Stunden (max. Leistung: vier Kundinnen)

Erstkontakt: jeder persönliche Erstkontakt

 

Zum Angebot "Büro" erscheint eine detaillierte Aufschlüsselung sinnvoll:

Büro 2008

Dem Schaubild ist zu entnehmen, dass 2.580 Kopien gemacht wurden, die Besucherinnen haben 993 Telefongespräche geführt und der PC wurde 101 Mal benützt.

 

Vergleich mit den Vorjahren

Zum Vergleich mit den Vorjahren werden die signifikanten Unterschiede bei der Nutzung unserer Angebote dargestellt. "Essen" und "Friseurin" wird nicht aufgeführt, weil die Anzahl konstant ist:

Veränderungen 2006 - 2008

Im Vergleich mit den Vorjahren sind (bis auf "Dusche") alle Zahlen gestiegen.

Auffallend ist die erneute starke Zunahme bei der Anzahl der Kopien - es lebe der Bürokratismus - die meisten Kopien sind für die Ämter (ARGE, Rentenversicherung, Ausländeramt, Versorgungsamt, Grundsicherung etc.) und für Bewerbungen.

Weiterhin fällt die starke Zunahme der "Erstkontakte", "Beratungen" und "Anzahl" auf. Die überwiegende Anzahl der "Erstkontakte" kommt wegen existentiellen Engpässen oder in akuten Krisen und beanspruchen "Einzelberatung" - hierin ist ein direkter Zusammenhang zu finden. Auch ist die Anzahl der Besucherinnenkontakte gestiegen und somit auch der Bedarf an Einzelberatung. Nur wenige "Neue" kommen einfach vorbei um sich in netter Gesellschaft wohl zu fühlen.

 

Rückschau

Die Rückschau der Jahre 2006/2007 hat nichts an Aktualität verloren, hier nochmals in Kürze die Themen:

Im Jahr 2008 wurden 211 "neue" Frauen mit unterschiedlichsten Mehrfachproblematiken gezählt, eine deutliche Zunahme zum Vorjahr (142 Frauen). Kriseninterventionen, Unterstützung in bürokratischen Angelegenheiten und materielle Notfallversorgung waren die überwiegenden Themen.

Durch eine Spende von "Freude für alle" konnten wir im vergangenen Jahr 21 Frauen und (deren) vier Kinder, welche unverschuldet in eine Notlage gekommen sind, mit Lebensmitteln für insgesamt 53 Tage versorgen. Weiterhin haben 13 Frauen an Bildungs- oder Gesundheitskursen durch einen finanziellen Zuschuss teilnehmen können.

Erfreulicherweise hat uns eine Mediatorin ihre ehrenamtliche Mitarbeit angeboten. So entstand ein Gruppenangebot zum Thema: "Miteinander - untereinander - gemeinsam auf dem Weg". Inhaltlich bezogen sich die fünf Sitzungen auf Lösungsstrategien, wie "frau" mit ihren Problemen, Schwierigkeiten und Ärger im Alltag etwas einfacher, leichter und freudiger umgehen kann.

Auffallend war im Jahr 2008, dass die körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen bei den langzeitarbeitslosen Frauen viel stärker ausgeprägt waren als in den Jahren zuvor, was als Folge des jetzt vier Jahre langen Überlebenskampfes (durch Hartz IV) interpretiert werden kann. Manche wirken total erschöpft oder bekommen sogar Nervenerkrankungen, chronische Erkrankungen im Herz-Kreislauf-Bereich und/oder andere körperliche und seelische Beeinträchtigungen, weiterhin ist die "Voralterung" alltäglich zu beobachten.

Und noch eine sozialpolitische Beobachtung: im letzten Jahr war häufig in der Presse zu lesen, dass die "Oberste Chefetage" von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden und kirchliche Organisationen wiederholt öffentlich beklagt hat, dass die Regelsätze zu niedrig sind.

Weiterhin hat der oberste Richter des Bundessozialgerichtes die Regierung aufgefordert, das SGB II zu reformieren, da im Bereich "Kosten der Unterkunft" und "Einkommensberechnung" zu viele (berechtigte) Klagen eingehen.

 

Danke

Ich möchte mich - auch im Namen meiner Kolleginnen und aller Besucherinnen des FrauenZimmers - ganz herzlich bedanken bei

 

Heidi Weißbeck
Diplom-Sozialpädagogin (FH)
Leiterin des FrauenZimmers

 

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