FrauenZimmer

Tätigkeitsbericht 2009

FrauenZimmer

 

Tagestreff "FrauenZimmer" - ein Kooperationsprojekt

Die Einrichtung "FrauenZimmer - Tagestreff für Frauen in Notlagen" ist ein Kooperationsprojekt von Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg gGmbH und der Stadt Nürnberg, seit Januar 2003 ist der Sozialdienst katholischer Frauen beteiligt. Die Trägerschaft wurde von der Heilsarmee übernommen.

Entscheidendes Gremium ist das Kuratorium, welches sich aus je drei Personen von der Heilsarmee und der Stadt Nürnberg zusammensetzt.

Das FrauenZimmer wurde als Tagestreff speziell für Frauen in anhaltend schwierigen oder krisenhaften Lebenssituationen eingerichtet und besteht seit November 1995.

 

Zielgruppe

Die Besucherinnen sind Frauen (und deren Kinder)

Viele Besucherinnen des Frauentagestreffs werden in anderen Freizeitorganisationen oder Interessengruppen mangels Gruppenfähigkeit oder sozialem Status kaum oder nicht akzeptiert. Das FrauenZimmer ist ein niedrigschwelliges Angebot für alle Frauen, welche aufgrund sozialer Schwierigkeiten bis hin zu ungewöhnlichen Verhaltensweisen Probleme haben, von der Gesellschaft integriert zu werden.

Die Problemstellungen der Klientinnen sind sehr vielfältig: Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden, Wohnungslosigkeit, Trennung vom Partner, Überlastung durch Kinder, finanzielle Angelegenheiten, Gewalt im häuslichen Umfeld, Ordnungsdelikte, Stromsperre, Langzeitarbeitslosigkeit, chronische körperliche und/oder seelische Erkrankungen, Lebensmittelnotstand, geringes Einkommen, Einsamkeit u.v.m.

Der überwiegende Anteil der Besucherinnen lebt in der eigenen Wohnung, ca. 5% der Frauen sind vorübergehend in Pensionen oder in sozialtherapeutischen Wohnformen untergebracht.

 

Zielsetzung

Der Tagestreff "FrauenZimmer" ist ausschließlich für Frauen (und deren Kinder) in anhaltend schwierigen oder krisenhaften Lebenssituationen. Sie erhalten in unserer Einrichtung durch Diplom-Sozialpädagoginnen professionelle Hilfe.

Der Tagestreff

 

Öffnungszeiten und Angebote

Unsere feststehenden Angebote:

Montags kommt von 10.00 bis 12.00 Uhr eine Friseurin. Am Dienstag kochen wir für die Frauen ein frisches, nahrhaftes Mittagessen. Weiterhin bieten wir am Donnerstag ein abwechslungsreiches Frühstück an, anschließend kommt von 11.30 bis 12.30 Uhr eine Beraterin von der ISKA zur Schuldnerinnenberatung.

Während der Öffnungszeit steht eine Dusche, Waschmaschine und Trockner sowie die Küche für die Besucherinnen zur Verfügung. Zur Erledigung von bürokratischen Angelegenheiten stellen wir einen PC, das Kopiergerät, ein Telefon sowie die Tageszeitung bereit.

Besonderen Anklang finden unsere monatlichen Ausflüge, z.B.: Tiergarten, Wandertage, Stadtbesichtigungen in den umliegenden Kleinstädten, Fahrradausflug, Christkindlesmarkt mit Cafebesuch, Ausflüge in die Natur, Kinobesuch, Theaterbesuch, Schwimmbad/Freibad, Erfahrungsfeld der Sinne, Stadtführungen in Nürnberg, Museumsbesuche u.v.a. mehr.

 

Personalsituation

Im FrauenZimmer sind hauptamtliche sozialpädagogische Fachkräfte und eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin tätig:

1 Diplom-Sozialpädagogin in Leitungsfunktion (Stadt Nürnberg, SHA / Sozialpädagogischer Fachdienst), 39 Std.
Frau Weißbeck

1 Diplom-Sozialpädagogin (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg gGmbH), 26 Std.
Frau König

1 Diplom-Sozialpädagogin (Sozialdienst katholischer Frauen e.V.), 8 Std.
Frau Gnosa

1 hauswirtschaftliche Fachkraft (Die Heilsarmee Sozialwerk Nürnberg gGmbH), 26 Std.
Frau Blass-Novak

1 Praktikantin Fachbereich Sozialwesen (Stadt Nürnberg, SHA/SFD), 32 Std.
Frau Wehrle (bis Februar 2009)
Frau Buschmann (September 2009 bis Februar 2010)

Sehr unerfreulich ist und bleibt die Lage auf dem "Praktikantinnenmarkt": wegen Reformen im Studiengang Sozialwesen wurde das "ehemalige" Jahrespraktikum auf 22 Wochen gekürzt - ein herber Verlust - sowohl für die Praktikantinnen (und deren beruflicher und persönlicher Reifeprozesse), als auch für die Mitarbeiterinnen von Einrichtungen, welche gerne Praktikantinnen anleiten und das Berufsfeld der Sozialarbeit in der Praxis zur Verfügung stellen. Nicht zuletzt ist die verkürzte Praktikumsdauer auch für die Klientinnen von Nachteil ("kaum hat man sich an die 'Neue' gewöhnt, schon geht sie wieder").

 

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2009 wurden insgesamt 2.357 Besucherinnen-Kontakte gezählt, im Vergleich zum Vorjahr hat die Anzahl leicht abgenommen. Über die vergangenen Jahre gesehen ist die Anzahl der Besucherinnen-Kontakte konstant und stabil.

Besucherinnen 2009

Das abgebildete Diagramm stellt die monatliche Anzahl der Besucherinnen des FrauenZimmers im Jahr 2009 dar. Zwischen 127 und 241 Frauen besuchten den Tagestreff pro Monat. Die Zahlen unterliegen starken Schwankungen, weil wir an Weihnachten, Ostern und im Sommer das FrauenZimmer wegen Urlaub für insgesamt sechs Wochen geschlossen hatten.

Im statistischen Durchschnitt waren im Jahr 2009 pro Öffnungstag 14 Besucherinnen anwesend, wobei die tatsächliche Spanne bei vier bis 28 Frauen und deren Kinder lag.

Die tägliche Aufenthaltsdauer der Besucherinnen ist sehr unterschiedlich.

Das kleine "Stammpublikum" nutzt den Tagestreff mehrere Stunden pro Tag für Kontakte und für Erledigungen der Grundversorgung (Wäsche waschen, duschen, essen kochen...).

Andere Frauen kommen zu bestimmten Angeboten (Essen, Ausflüge, Friseurin, Kreativangebote...) oder nehmen gezielt bürokratische Hilfen (Telefon, Kopierer, Computer...) und sozialpädagogische Unterstützung wie Beratung, Information etc. in Anspruch.

Weiterhin gibt es Besucherinnen, welche ausschließlich in akuten Krisen für ein- bis mehrmalige Kriseninterventionsgespräche unsere Einrichtung aufsuchen.

 

Angebote des FrauenZimmers im Jahr 2009

Statistik 2009

Zur Erläuterung dieser Tabelle ist hinzuzufügen:

Essen: gezählt werden Mahlzeiten, welche vom Personal des FrauenZimmers für die Besucherinnen gekocht und zubereitet werden

Waschen: Benutzung der Waschmaschine und des Trockners

Dusche: Benutzung der Dusche

Beratung: gezählt werden ausschließlich Kriseninterventionen und Beratungsgespräche "unter vier Augen" im Beratungszimmer

Büro: beinhaltet Benutzung von Telefon, Computer und Kopiergerät für bürokratische Angelegenheiten (Ämter, Arbeits- und Wohnungssuche) und für gesundheitliche Belange (siehe nächstes Schaubild)

Friseurin: pro Woche zwei Stunden (max. Leistung: vier Kundinnen)

Erstkontakt: jeder persönliche Erstkontakt

 

Zum Angebot "Büro" erscheint eine detaillierte Aufschlüsselung sinnvoll:

Büro 2009

Dem Schaubild ist zu entnehmen, dass 2.405 Kopien gemacht wurden, die Besucherinnen haben 711 Telefongespräche geführt und der PC wurde 74 Mal benützt.

 

Vergleich mit den Vorjahren

Zum Vergleich mit den Vorjahren werden die signifikanten Unterschiede bei der Nutzung unserer Angebote dargestellt. "Essen" und "Friseurin" wird nicht aufgeführt, weil die Anzahl konstant ist:

Veränderungen 2006 - 2009

Auffallend ist die hohe Anzahl der Kopien, die meisten Kopien sind für die Ämter (ARGE, Rentenversicherung, Ausländeramt, Versorgungsamt, Grundsicherung etc.) und für Bewerbungen.

Weiterhin fällt die gleich bleibend hohe Anzahl der "Erstkontakte" und "Beratungen" auf. Die überwiegende Anzahl der "Erstkontakte" kommt wegen existentiellen Engpässen oder in akuten Krisen und beanspruchen "Einzelberatung" - hierin ist ein direkter Zusammenhang zu finden. Nur wenige "Neue" kommen einfach vorbei um die Angebote der Einrichtung kennen zu lernen und sich in netter Gesellschaft wohl zu fühlen.

 

Rückschau

Die Rückschau der Jahre 2006/2007/2008 hat nichts an Aktualität verloren, hier nochmals in Kürze die Themen:

Zu Beginn des letzten Jahres bekamen einige ARGE-Bezieherinnen "Sanktionen" ohne Bescheide, d.h. die ARGE hat ohne Information weniger Geld überwiesen (und mangels Bescheid ist ein Widerspruch nicht möglich). Da die telefonische Kontaktaufnahme mit den zuständigen SachbearbeiterInnen nach wie vor schwierig bis unmöglich ist, haben wir uns eine "Kontaktfrau" gewünscht. Dank der Vermittlung von Frau Hiller (Frauenbeauftragte Stadt Nürnberg) haben wir nun eine Ansprechpartnerin in der ARGE, welche uns bei der Problemlösung unterstützt.

Im Jahr 2009 wurden 201 "neue" Frauen mit unterschiedlichsten Mehrfachproblematiken gezählt; materielle Notfallversorgung, Kriseninterventionen und Unterstützung in bürokratischen Angelegenheiten waren die überwiegenden Themen.

Durch eine Spende von "Freude für alle" konnten wir im vergangenen Jahr 25 Frauen und (deren) 20 Kinder, welche unverschuldet in eine Notlage gekommen sind, mit Lebensmitteln für insgesamt 89 Tage versorgen. Weiterhin haben 15 Frauen an Bildungs- oder Gesundheitskursen durch einen finanziellen Zuschuss teilnehmen können.

Große Beliebtheit haben unsere monatlichen Ausflüge. Im Winter organisieren wir Museumsbesuche mit Führungen, gehen ins Schwimmbad oder besuchen kulturelle Veranstaltungen, von April bis Oktober sind wir in der Natur in und um Nürnberg unterwegs, erkunden Waldlehrpfade oder unternehmen kleine Wanderungen am Stadtrand. Unser Jahresausflug im Sommer ging letztes Jahr zum Brombachsee mit Schiff fahren, am Sandstrand baden, spazieren gehen, Rad fahren oder einfach die "Seele baumeln lassen" - für jede war ein passendes Angebot dabei. Für fast alle Besucherinnen ist dieser Ausflug der einzige Tag im Jahr, an welchem sie aus Nürnberg herauskommen - und für uns Mitarbeiterinnen ist es einfach schön, die Frauen auch mal "glücklich-entspannt strahlen" zu sehen.

Auffallend war auch im Jahr 2009, dass die körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen bei den langzeitarbeitslosen Frauen viel stärker ausgeprägt waren als in den Jahren zuvor, was als Folge des jetzt fünf Jahre langen Überlebenskampfes (durch Hartz IV) interpretiert werden kann. Manche wirken total erschöpft oder bekommen sogar Nervenerkrankungen, chronische Erkrankungen im Herz-Kreislauf-Bereich und/oder andere körperliche und seelische Beeinträchtigungen, weiterhin ist die "Voralterung" alltäglich zu beobachten.

Leider mussten wir letztes Jahr die Preise erhöhen, jetzt kostet jedes Angebot zwei Euro (Wäsche waschen und trocknen, Mittagessen, Frühstück, Friseurin und Ausflüge), ein großer Becher Kaffee kostet 50 Cent.

Da wir jetzt schon zehn Jahre in den Räumlichkeiten in der Hessestraße sind, war eine Renovierung erforderlich. Im Frühjahr haben die Maler vom Sozialwerk der Heilsarmee Nürnberg alle Wände neu gestrichen. Die Zusammenarbeit dieser gemeinsamen Aktion war sehr gut.

In Kooperation mit "Cafe Auszeit" (Sonntags-Cafe für Alleinerziehende) waren - im Rahmen eines Oualifizierungskurses für Frauen mit Migrationshintergrund - die Kursteilnehmerinnen zur Hospitation im hauswirtschaftlichen Bereich in unserer Einrichtung. Eine Hospitantin konnte erfolgreich in den 1. Arbeitsmarkt vermittelt werden, eine weitere Migrantin hat ein Beschäftigungsverhältnis auf dem 2. Arbeitsmarkt und zwei Teilnehmende haben weiterführende Maßnahmen bewilligt bekommen.

Beim "Tag der offenen Tür" von der Stadt Nürnberg waren acht Personen interessiert. Überwiegend waren es KollegInnen oder "MultiplikatorInnen", welche unsere Einrichtung gerne weiter empfehlen wollen.

Dank der diesjährigen Spende von ZONTA-Club konnten wir für die Besucherinnen einen neuen PC mit Flachbildschirm erwerben - nochmals HERZLICHEN DANK.

 

Danke

Ich möchte mich - auch im Namen meiner Kolleginnen und aller Besucherinnen des FrauenZimmers - ganz herzlich bedanken bei

 

Heidi Weißbeck
Diplom-Sozialpädagogin (FH)
Leiterin des FrauenZimmers

 

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