FrauenZimmer

Zeitungsbericht und Bilder von der Jubiläumsveranstaltung...

FrauenZimmer

 

Das "FrauenZimmer" feiert 10-jähriges Jubiläum...

"FrauenZimmer" steht in großen gelben Buchstaben über dem Eingang. Der Tagestreff in der Hessestraße 10 bietet weit mehr als ein schützendes Dach für Frauen in sozialen Schwierigkeiten. Das Kooperationsprojekt von Heilsarmee, Sozialdienst katholischer Frauen und der Stadt Nürnberg feiert am Dienstag seinen zehnten Geburtstag - und ist immer noch einzigartig in ganz Bayern.

In der Mitte des Raums steht ein Tisch mit vielen Stühlen, in der Ecke eine Ledercouch, durch die Tür zum Nebenzimmer dringt das Surren einer Waschmaschine. Eine Frau legt auf dem Tisch ihre Wäsche zusammen, zwei andere sitzen bei einer Tasse Kaffee, eine Alte beobachtet sie stumm vom Sofa aus. Seit zehn Jahren ist das FrauenZimmer in Gostenhof Anlaufstelle für Frauen in Not. Die Probleme reichen von gewalttätigen Partnern über Sucht bis hin zu Arbeitslosigkeit und Armut - oder schlicht Einsamkeit. "Hierher kann jede kommen", sagt Dieter Maly, Leiter des Allgemeinen Sozialdienstes, "woanders werden Hilfe Suchende in Schubladen gesteckt: Drogenhilfe, Schuldenberatung, Schutz vor häuslicher Gewalt. Wir fragen nicht, wir helfen einfach."

Rund 140.000,00 Euro pro Jahr kostet die Einrichtung, 83.000,00 Euro Personal und Sachkosten übernimmt die Stadt. 1995 als Hilfe für obdachlose Frauen geplant, dient der Treff mittlerweile vielen als Familienersatz. 95 Prozent der Besucherinnen leben in einer eigenen Wohnung, der Großteil allein - und arbeitslos. Viele kommen seit Jahren in den Treff, mehr als 100 Frauen nehmen das Beratungsangebot jedes Jahr neu in Anspruch.

"Ich komme, seit die hier aufgemacht haben", sagt eine Besucherin. Die 47-Jährige ist langzeitarbeitslos und in psychiatrischer Behandlung. Seit der Durchlauferhitzer in ihrem Bad nicht mehr richtig funktioniert, ist sie froh über die Dusche im Frauentreff. Ein Mal pro Woche kann sie hier Wäsche waschen, jeden Dienstag gibt es für 1,50 Euro ein warmes Mittagessen. "Ich habe nur ein paar Freunde, nicht viele", sagt sie, "wenn man alleine ist, kriegt man Angst. Dann ist es gut, dass wir hierher kommen können."

Mit den anderen Frauen Erfahrungen austauschen, sich aufgehoben fühlen - das ist es, was die meisten schätzen. Die Mitarbeiterinnen des FrauenZimmers helfen bei Ämtergängen, beim "Papierkram", vermitteln Therapiemöglichkeiten, geben praktische Lebenshilfe.

Eine ältere Frau, ordentlich gekleidet, die Haare akkurat gekämmt, hält einen kleinen Hund auf dem Schoß. Früher hat sie bei einem großen Nürnberger Spielzeug-Eisenbahn-Hersteller gearbeitet, seit 13 Jahren ist die 62-Jährige in Frührente. "Hier kann man weinen, lachen - und hier kann ich zum Friseur gehen", sagt sie. Für 1,50 Euro gibt's einen Haarschnitt, Tee, Telefonieren und Kopieren sind kostenlos.

"Viele kommen leider erst, wenn es fast zu spät ist", weiß Sozialpädagogin Inge Scheuer, "wenn der Wohnungsverlust droht, der Strom abgestellt ist oder kein Pfennig Geld mehr da ist." Zunehmende Armut wird in den kommenden Jahren das zentrale Thema der FrauenZimmer-Klientel sein, ist sich Leiterin Heidi Weißbeck sicher. In Kooperation mit der Arge plant sie ein spezielles Arbeitsvermittlungsangebot, um "die, die immer übrig bleiben" wenigstens stundenweise in eine Beschäftigung zu bringen. Die Anschubfinanzierung steht durch eine private Schenkung von 15.000,00 Euro, jetzt wird ein Träger für das "Projekt Arbeit" gesucht.

Christina Banasch, NN

 

Bilder von der Jubiläumsveranstaltung

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